Aus der Broschüre Molly und der Homepage der Schinznacher Baumschulbahn

Mit der zweiten Jungfernfahrt der Molly kehrt eine ganz spezielle Dampflokomotive des Kanton Aargau in den aktiven Dienst zurück. Sie wird hoffentlich viele Jahre lang mit ihrem zischen und fauchen die Fahrgäste und das Personal der Schinznacher Baumschulbahn erfreuen.

Das die Molly heut wieder in alter Frische dampft, ist der Gemeinde und Schulpflege Turgi zu verdanken. 1994 überliessen sie die aufgestellte Denkmallokomotive Molly dem "Verein Schinznacher Baumschulbahn" als Dauerleihgabe mit der Auflage, sie zu reparieren und regelmässig zu fahren.

Mit der betriebstüchtigen Totalrevision der historischen Dampflok durch die Vereinsmitglieder konnte die Zukunft der Molly langfristig gesichert werden. Ebenso erfreulich ist, dass die typische Baulokomotive der Region als "Zeuge vergangener Arbeitstechnik und klassischen Maschinenbaus" erhalten bleibt. Mitten zwischen dem einstigen Einsatzgebiet beim Bau des Aarekraftwerks Rupperswil-Auenstein und ihrem langjährigen Denkmalstandort auf dem Bahnhof Turgi, ist jetzt die Baumschulbahn in Schinznach-Dorf ie neue Heimat der Molly geworden.

Mit dem Baubeginn des Aarekreftwerk Rupperswil-Auenstein, stellte eine der beteiligten Bauunternehmen fest, dass dringend drei zusätzliche Baulokomotiven für die Transportleistungen gebraucht wurden, um die Baggerarbeiten nicht zu verzögern.

Da sich während den Kriegsjahren keine andere Option bot, als neue Maschinen zu erwerben, gab man der SLM (Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik) den Auftrag, drei neue, dampfbetriebene Baulokomotiven der 75cm Spur herzustellen.

Im März 1944 wird die Erste der drei Maschinen, die Nr. 10 "Auenstein", ausgeliefert. Bereits gegen Ende April treffen die beiden Schwestermaschinen Nr.11 "Wildegg", die heutige Molly und die Nr. 12 "Rupperswil" auf dem Baugelände ein. Im Herbst 1947 endeten die Bauarbeiten. Bis dahin transportierten die drei SLM-Baulokomotiven zusammen mit 27 weiteren Maschinen insgesammt 2´840´000m3 Aushubmaterial.

1958 wurde die "Wildegg" und zwei weitere Maschinen, zum Aushub des Flughafens Zürich-Kloten, reaktiviert. Ab 1961 wurde sie schliesslich in Niederhasli remisiert und sollte dann 1966 verschrottet werden. Doch konnte Max Kuhn die "Wildegg" in letzter Minute erwerben und so vor dem verschrotten retten.

Wohl aus Kostengründen entschloss sich Max Kuhn nicht für einen Schaubetrieb, sondern schenkte die Lok der Schuljugend von Turgi. Gereinigt und neu gestrichen erhielt die "Wildegg" schliesslich am Jugendfest vom 26. August 1967 den Namen Molly und wurde als Denkmal auf dem Bahnhof Turgi eingeweiht.

Wegen den Umbauarbeiten am Bahnhof Turgi, die 1993 geplant wurden, musste die Lok schliesslich von ihrem Sockel weichen. Wohl eher durch glücklichen Zufall, kam man zur Lösung, dass die Molly als Leihgabe bei der Schinznacher Baumschulbahn wieder in Aktion treten sollte. 1994 wurde die Molly dann nach Schinznach transportiert, und gut ein Jahr später konnte der Verein mit der Revisionsarbeiten beginnen.

Endlich, Ende Mai 1999 dampfte die Molly zur 2. Jungfernfahrt exklusiv für die Schuljugend von Turgi und Schinznach-Dorf. Eine Woche später, am 5. Juni, nahm die Maschine den fahrplanmässigen Dienst auf der Schinznacher Baumschulbahn auf.

Weitere interessante Details zum Kraftwerkbau und zur Molly können Sie in der Molly-Broschüre nachlesen, erhältlich bei der Gemeindekanzlei.

Daten:

Achsfolge:

B n2t

Baujahr:

1944

Hersteller:

SLM (CH)

Fabriknummer:

3834

Zustand:

Betriebsbereit

Herkunft:

Denkmal Bahnhof Turgi (CH)

In Schinznach seit:

1994

Die Lok ist Eigentum der Schuljugend Turgi (Leihgabe an den Verein Schinznacher Baumschulbahn