Spatenstich und erste Arbeiten  

Bereits Ende Oktober 1993, also einige Tage vor dem eigentlichen Spatenstich zum Bahnhofumbau, werden die ersten Weichen (Nummern 16 und 22) ausgebaut, um den nötigen Platz für den späteren Bau des Nebengebäudes zu erhalten.

Der Spatenstich findet am 3. November 1993 um 11.00 Uhr neben der Barriere beim Restaurant Diana statt. Nachdem mit einigen Schaufeln die Umbauarbeiten symbolisch eröffnet sind, gibt es auf der Güterrampe einen Aperitif.

Bereits im Dezember 1993 wird der erste der zwei Güterschuppen abgebrochen. Weitere Weichen werden entfernt, die Stationsbarriere versetzt und auf elektrische Bedienung umgebaut (bis anhin wurde die Barriere mit einer Handkurbel im Stellwerk 2 bedient, unabhängig von Signalen oder anderen Sicherheitseinrichtungen). Die Fahrleitung der Gleise B 3 und B 4 wird entfernt, im Gleis B2 verkürzt.

Das Jahr 1994
Im Januar 1994 beginnen die Aushubarbeiten für das Dienstgebäude. Dort wird später im Erdgeschoss der Bahndienst und im Untergeschoss der Rechnerraum für das Stellwerk untergebracht.

Um den nötigen Platz für die neuen Gleise zu erhalten, müssen vier Stützmauern erstellt werden: Die Stützmauer Nummer 1 "Limmat" beim späteren Gleis 31, Nummer 2 beim Friedhof, Nummer 3 beim Dienstgebäude und Nummer 4 "Geelig" in der Kurve bei der Ausfahrt Richtung Brugg.

Ab November 1994 wird die Geschwindigkeit für die Züge aus Sicherheitsgründen auf 60 km/h reduziert. In der Woche vom 21. -26. November finden umfangreiche Gleisarbeiten statt: Die Abstellgleise A 9, A 10 und B 5 werden abgebrochen, das Gleis B 6 verkürzt. Die Weichen 4, 12, 13 und 14 sind ausgebaut, die "Engländer" (doppelte Kreuzungsweiche) 7 und 9 werden wegen ihrem schlechten Zustand durch einfache Weichen ersetzt. Somit verschwinden die letzten mechanisch angetriebenen Weichen. Da für diese Arbeiten ein Grosskran der Firma Vanomag im Einsatz ist, wird die Dampflok "Molly" mit diesem in der Nacht vom 21. zum 22. November von ihrem Platz auf der Insel auf einen Tiefladewagen der Schinznacher Baumschul - Bahn geladen und am Tag darauf nach Schinznach transportiert.

Das Jahr 1995
Ab Januar 1995 werden neue Fundamente für Signale und Fahrleitungsmaste erstellt sowie die Einfahrsignale um gut 200 Meter Richtung Baden und Brugg versetzt. Die alte Stützmauer beim Friedhof wird abgebrochen. Auf dem Freiverladeplatz und auf der Insel baut der Bahndienst die neuen Weichen zusammen.

Mitte März ist das Dienstgebäude fertig, der Stellwerkdienst beginnt mit dem Bau der neuen Stellwerkanlage im Untergeschoss. Die Mauer 3 ist termingerecht fertiggebaut. Bei der Mauer 4 treten beim Ankerbohren Schwierigkeiten auf. Ein Anker muss nachgebohrt werden, da der Hintergrund zuwenig Halt bietet. Bei der Mauer 1 sind Pfählungsarbeiten als Fundament nötig, weil der Untergrund zu locker ist. Die Arbeiten an der Mauer 2 gehen problemlos voran. Erste Teile sind schon betoniert. In Nachtarbeit werden neue Fahrleitungsmaste gesetzt, Joche montiert und zum Teil schon die Fahrleitung umgehängt. Schlechte Witterung erschweren allgemein die Arbeiten.

Vom Abend des 5. bis am Morgen des 8. Mai 1995 wird die Strecke Turgi - Siggenthal gesperrt, da bei der Ausfahrt Richtung Siggenthal neue Weichen eingebaut werden und dabei auch das Gleis in der Kurve verlegt wird. Die Fahrleitung muss ebenfalls angepasst werden. Es besteht ein Ersatzbetrieb mittels RVBW-Bussen. Im Juni fanden grössere Gleisarbeiten auf der Bahnhofseite Baden statt. An einigen Abenden wird ab 21.30 Uhr ein Streckengleis gesperrt. Um den Fahrplan der Züge aufrecht erhalten zu können, werden viele Güterzüge via Heitersberg - Olten nach Basel umgeleitet und einige Regionalzüge Baden - Brugg durch Busse ersetzt. Das Gleis A 3 wird abgebrochen.

Im August beginnen die ersten Arbeiten am neuen Bahnhofgebäude. Obwohl es kein Untergeschoss gibt, sind einige Aushubarbeiten nötig. Da das Gebäude nicht an seinem endgültigen Platz erstellt wird, müssen die Fundamente so gebaut werden, dass im Frühling 1997 das ganze Gebäude verschoben werden kann.

Das Umbauwochenende vom 30. September und 1. Oktober bringt einige Schwierigkeiten für den Zugverkehr mit sich: Wegen dem Einbau der Weichen 32 und 35 im Gleis A 1 wird das Streckengleis Brugg - Turgi gesperrt. Um Züge von Brugg ins Gleis A 2 einfahren und nach Baden ausfahren zu lassen, müssen in den alten Stellwerken einige Anpassungen vorgenommen werden.

Stand der Arbeiten Ende 1995: Die meisten alten Fahrleitungsmasten und -joche sind ersetzt. Viele neue Weichen sind eingebaut, führen aber meist noch ins Leere. Die Weichen 1 und 2 sowie 28 und 30 (die ersten Weichen von Baden und von Brugg her) sind in Betrieb. Das Gleis 4 ist im Bereich der Mauern 2 und 4 seiner endgültigen Lage. Ein Hilfsperron ermöglicht das Einsteigen auch bei langen Zügen. Das neue elektronische Stellwerk ist fertig installiert und befindet sich in der Prüfungsphase. Alle Stützmauern sind bis auf letzte Umgebungsarbeiten fertig. Die Montage der Lärmschutzwände verzögert sich wegen einer Einsprache des Kantons. Neben dem alten Kiosk schreiten die Aushubarbeiten für die Treppe und Rampe zum neuen Perron voran. Das öffentliche WC ist deswegen geschlossen. Das neue Bahnhofgebäude ist im Rohbau fertig.

Das Jahr 1996
April 1996: Das neue Bahnhofgebäude ist fertig, die Büromöbel werden platziert, erste Zügelarbeiten laufen.

Am 20. und 21. April wird das ehemalige Bahnhofbuffet ein letztes Mal geöffnet und durch Mitarbeiter (teils auch ehemalige) geführt.

22. April: Der Kiosk nimmt den Betrieb im neuen Bahnhofgebäude auf.

25. April: Der Billettschalter wird um 14.00 Uhr geschlossen, die Schaltereinrichtungen gezügelt und im neuen Büro installiert. Am 26. April wird der Verkauf im neuen Gebäude aufgenommen.

28. April: Über Nacht wird das neue elektronische Stellwerk an der Aussenanlage angehängt, alle Signale werden vom neuen Stellwerk aus bedient. Bis zum 1. Juni sind wegen dem fehlenden Aussenperron Gleis 4 nach wie vor keine gleichzeitigen Zugsfahrten Gleis 3 und 4 möglich.

10. Mai: In der Nacht wird mit dem Abbruch des alten Bahnhofgebäudes und der Wärterstellwerke begonnen. Bis 12. Mai wird jeweils über Nacht bei ausgeschalteter Fahrleitung abgebrochen, tagsüber der Schutt abgeführt.

Auf der Westseite des Bahnhofs finden am 6. und 7. Juli umfangreiche Gleisbauarbeiten statt: Die Weichen 24 und 25 werden eingebaut, die Weichen 20, 21 und 28B abgebrochen. Alle Züge verkehren über Gleis 4, was zu einigen Verspätungen im Zugverkehr führt. Zwischen Turgi und Siggenthal besteht ein Bahnersatzverkehr mit Bussen.

An verschiedenen Bauwochenenden werden nach und nach alle neuen Weichen eingebaut und an das Stellwerk angeschlossen. Das Perrondach vom Mittelperron wird in Stahl- und Holzkonstruktion gebaut, vorwiegend über Nacht. Das Perron wird auf 50 cm erhöht und mit einem Schwarzbelag (Asphalt) versehen.

Nach den ersten Schneefällen wird von dreizehn Weichen eine provisorisch mit einer Weichenheizung ausgerüstet. Verschiedene Weichenstörungen führen zu der Erkenntnis, dass bei tiefen Temperaturen die Weichenheizung dauernd eingeschaltet bleiben soll, auch wenn kein Schnee zu erwarten ist.

Das Jahr 1997
Im Januar werden die neuen Gleise 1 und 2 in Betrieb genommen und das alte Gleis 1 (im alten Bahnhof mit Gleis B 1 bezeichnet) abgebrochen. Gleichzeitig wird das Gleis 3 gesperrt und vorübergehend abgebrochen, um den Oberbau zu erneuern und die zweite Perronhälfte zu erhöhen. In der Nacht 28./29. Januar wird im Gleis 4 eine Hilfsbrücke eingebaut, um den Bau der neuen Unterführung auf der Ostseite des Bahnhofs trotz laufendem Betrieb zu ermöglichen.

Im Februar entsteht neben dem Kiosk eine Treppe und eine Rampe in die Unterführung. Die neue Unterführung Richtung Baden nimmt Gestalt an. Sie erhält aber nur Treppen und keine Rampen. Beim Aufnahmegebäude werden Vorbereitungen für die Verschiebung getroffen.

Am 22. März ist es endlich soweit: Das 535 Tonnen schwere Bahnhofgebäude wird mit Hydraulikpressen 4,5 Meter gegen Gleis 1 verschoben. Einige Schulklassen von Turgi haben frei, um das Spektakel zu verfolgen. In gut 90 Minuten ist alles vorbei, der Bahnhof an seinem endgültigen Platz.

Im April wird das Perrondach Gleis 1 gebaut. Zu erwähnen ist, dass zwei Fahrleitungsmasten auf dem Perrondach montiert sowie in Nachtarbeit zwei Joche, welche den ganzen Bahnhof überspannen, versetzt werden.

23. -25. Mai: In Zusammenhang mit dem Jubiläum "150 Jahre Schweizer Bahnen" findet ein Bahnhoffest statt, ursprünglich als Ende des Umbaus gedacht. Zwischen Aarau und Turgi pendelt der neue Doppelstock-Intercityzug, in Turgi steht der Ausstellungszug. Verschiedene Vereine der Gemeinde sind am Fest beteiligt und feiern mit.

Anfang Juni wird das Gleis 4 gesperrt und erneuert, das Perron wird analog den anderen Perrons gebaut. Die Unterführung Richtung Baden ist fertig, die Hilfsbrücke wird demontiert.

Ende August sind alle Arbeiten an den Gleisen beendet, der Zugverkehr wird von Brugg aus gesteuert. Das Perrondach Gleis 4 wird bis Anfang Oktober fertiggestellt.  

Auszug aus "Bahnhof Turgi im Wandel der Zeit"
David Kober, Ernst B. Leutwiler Verlag